Nach der hinduistischen Kastenordnung ist die Gesellschaft in vier Hauptkasten aufgeteilt, die sich wiederum in Tausende von Unterkasten aufsplittern. Die Zugehörigkeit wird vererbt. Die Kasten sind geprägt von einer Abstufung ritueller Reinheit. Wer oben ist und wer unten, ist nicht eine Frage von Reich und Arm, sondern des "Reinheitsgrads" des Broterwerbs. So gibt es in Indien viele arme Brahmanen, die der höchsten Kaste angehören, und es gibt auch reiche
Dalits.
Traditionell erledigen die Dalits die Dreckarbeit – alles, was die Brahmanen als unrein betrachten: Tierkadaver entsorgen, das Häuten und Gerben, öffentliche Toiletten putzen, Abfälle beseitigen. Dalits sind aber auch Landarbeiter, landlose Bauern und Tagelöhner.
Die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit ist seit mehr als 50 Jahren per Gesetz verboten, aber tief in der indischen Gesellschaft verwurzelt, besonders in ländlichen Gegenden. Angehörige höherer Kasten trinken aus keinem Glas, das zuvor von einem Dalit benützt worden ist, und erlauben keinem von ihnen, sich auf ihren Stuhl zu setzen. Dalits dürfen vielerorts nicht einmal den Dorfbrunnen benützen, während es dem Vieh und den Hunden erlaubt ist.
Wenn ein Dalit oder ein Adivasi eine Liebesbeziehung mit einer Kastenangehörigen hat, wird dies als lästerlich empfunden. Ganze Dörfer sind für solche "Lästerungen" bestraft worden. In einem Fall wurde einem Dalit-Dorf im Arbeitsbereich von COREED der Zugang zum Trinkwasser verwehrt, in einem andern Dorf wurden die Bewohner misshandelt.
Am härtesten trifft es die
Frauen. Sie werden wegen ihres Geschlechts und wegen der Kastenzugehörigkeit diskriminiert und durch das patriarchale System ausgebeutet. Eine Dalitfrau gilt als billiges Spielzeug für Höherkastige. Schlimmer geht es nur noch den
Witwen. Sie haben nicht einmal mehr den Schutz der Familie.
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"Zerbrochene Menschen" (PDF-Datei, Grösse 16 KB)